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eberhard hamer

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TITEL Eberhard Hamer Prof. Dr. Eberhard Hamer, geboren 1932, Diplom-Volkswirt, Rechts- anwalt, Dr. rer. pol., Professor für Wirtschaft und Finanzpolitik in Bielefeld, wissenschaftlicher Leiter des Mittelstandsinstituts Nieder- sachsen, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft Mittelstandsforschung, hat bisher 35 Bücher und ca. 1000 Aufsätze zur Mittel- stands- und Verwaltungs- ökonomie veröffentlicht und wirkt auch als mittelstands- politischer Gutachter für Bundes- und Landesregie- rungen sowie Beirat in mit- telständischen Wirtschafts- verbänden. 6 HUMANWIRTSCHAFT MÄRZ/APRIL 2004 INTERVIEW Prof. Dr. Hamer im Interview HW: Herr Prof. Dr. Hamer, Sie be- schreiben in Ihrem Artikel und Ihrem Buch eine kommende Welt- wirtschaftskrise, die alle Bereiche der Gesellschaft betreffen wird. Demgegenüber sprechen heute die meisten Experten, Politiker und Me- dien von einem Aufschwung. War- um? Hamer: Die Regierung und die von ihr bezahlten Wirtschaftsinstitute haben bis Mitte letzten Sommers die Rezession geleugnet und dann sofort den „Silberstreif am Hori- zont" gesehen. Dies dürfte vorsätz- liche Irreführung sein. Ebenso hat einer der bekanntesten Wirtschafts- redakteure mir einen Crashaufsatz mit der Erklärung zurückgeschickt: „Wir können nur positive Nachrich- ten gebrauchen; wir wollen doch die Krise nicht herbeireden." Auch dies ist vorsätzliche Irreführung. Die Masse der Menschen dagegen sieht überhaupt nicht durch und weigert sich, die Kri- se zur Kenntnis zu nehmen, weil dies unbequeme Konse- quenzen nach sich zieht. HW: Kann man eine Krise verhin- dern, indem - wie heute in den Massenmedien - nicht darüber gesprochen wird? Oder muss zur Lösung der Problematik der Bevöl- kerung die drastischen Folgen einer Krise gezeigt werden? Hamer: Die Krise kann durch Leug- nen nicht verhindert werden. Viel- Die Großkonzerne herr- schen rücksichtslos zum eigenen Vorteil und zum Nachteil ihrer Mitarbeiter, der Menschen, der Völker. mehr ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung über die tatsächlich begonnene zweite große Weltwirt- schaftskrise klar ist, damit diejeni- gen, die noch etwas zu verlieren ha- ben, rechtzeitig handeln, um sich zu retten oder zumindest mit ge- ringerem Schaden durch die Krise zu kommen.Wir haben deshalb das Buch mit den Krisensze- narien geschrieben, um den Menschen die Folgen der Welt- wirtschaftskrise zu zeigen und sie zum Handeln zu bewe- gen. HW: Sehen Sie eine Chance, dass unsere Verantwortlichen noch ein- mal das Ruder herumreißen und die Krise verhindern - oder ist dies bei der heutigen verfahrenen Situa- tion gar nicht mehr möglich? Hamer: DieBundes- tagsparteien refor- mieren nur noch an Randproblemchen herum. Die echten drastischen Reformen können sie nicht mehr selbst durchführen, weil sie jahrzehntelang die Bevölkerung belogen und mit Wohltaten über- schüttet haben. Wer diese Wohlta- ten zurückzieht, fliegt aus dem Amt. Also warten alle Parteien nur dar- auf, dass der Andere sich bewegt. Wer sich bewegt, verliert. Die Krise kann durch Leugnen nicht verhindert werden. Vielmehr ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung über die tatsächlich begonnene zweite große Weltwirt- schaftskrise klar ist. HW: Wie stellen Sie sich die kom- mende Wirtschaftskrise auf dem Höhepunkt vor? Hamer: Die begonnene Weltwirt- schaftskrise wird bis zum Tiefpunkt noch mindestens ein Jahr brauchen. Der Höhepunkt der Krise ist der Re- alcrash, wenn Hun- derttausende von Betrieben zusam- menbrechen und Millionen weitere Arbeitslose hinter- lassen. HW: Das alles er- schreckt viele Leu- te. Was würden Sie heute beispiels- weise einem 20-Jährigen raten, der seine Zukunft plant? Hamer: Wer als junger Mensch sei- ne Zukunft plant, muss zuerst an eine gute Ausbildung denken, dann aber auch überlegen, ob die Krise ihm nicht auch zusätzliche Chan- cen bietet. Beispielsweise wird die Nachfolge in den Unternehmen in der Krise so günstig wie nie zuvor. Wichtig ist aber auch, dass man sich darüber klar ist: Der frühere Wohlstand ist vorbei. Wir müssen bescheidener werden, härter arbei- ten und werden weniger verdienen HW: Erwarten Sie eine ähnliche Ent- wicklung wie in den 30er Jahren: Zuerst Aktiencrash, dann Deflation, Krieg und Währungsschnitt? Hamer: Eigentlich hat in der Ge- schichte jede Depression drei Stu- fen gehabt: Zuerst den Aktiencrash, 1 0 HUMANWIRTSCHAFT | MÄRZ/APRIL 2004 INTERVIEW dann den Bankencrash mit Defla- tion und schließlich den Realcrash den Massenzusammenbruch von Unternehmen - mit Währungs- schnitt. Dies war in den 30er Jahren der ersten Weltwirtschaftskrise so und wird auch bei der zweiten Welt- wirtschaftskrise nicht anders sein. HW: Sind stabile Wirtschaft und Gesellschaft beim heutigen System überhaupt mög- lich? Hamer: Wir ha- ben keine stabile Leistungswirtschaft sondern eine höchst instabile globale kapitalistische Raubtierwirtschaft. Die Großkon- zerne herrschen rücksichtslos zum eigenen Vorteil und zum Nachteil ihrer Mitarbeiter, der Menschen, der Völker. Wer sich ihnen in den Weg stellt, wird global bekämpft Die Krise muss uns von diesem un- menschlichen Kapitalismus ebenso befreien wie wir von dem die Men- schen verachtenden Sozialismus befreit worden sind. Um aber eine stabile Gesellschaft zu bekommen, brauchten wir ein Minimum ge- meinsamer Werte. Die 68er Prole- tarierrevolution hat vorsätzlich alle „Wer als junger Mensch seine Zukunft plant, muss zuerst an eine gute Ausbildung den- ken, dann aber auch überlegen, ob die Krise ihm nicht auch zusätzli- che Chancen bietet." Die EU-Osterweiterung nützt unstreitig den internationalen Banken, Versicherungen und Ex- portkonzernen sowie den neuen Beitrittsländern. Hauptleidtragender ist der deutsche Mittelstand. Anstands- und Lebenswerte in Fra- ge gestellt, untergraben, zerstört. Wir werden erst wieder eine stabile Gesellschaft bekommen, wenn eine erfolgreiche Wertediskussion dafür eine Grundlage geschaffen hat. HW: Welche Möglichkeiten zur Pro- blemlösung bieten denn die heutigen Wirtschaftswissen- schaften an? Hamer: Die Wirt- schaftswissen- schaftler sind in den letzten 20 Jah- ren den Irrweg der Mathematik gelau- fen. Sie haben ge- glaubt, die Wirtschaft sei berechen- bar und haben Formeln entwickelt, die auf falscher Grundlage - homo oeconomicus - beruhen und des- halb schon nicht stimmen können. Wir müssen in der Wirtschaftswis- senschaft erst wieder den Mensch in den Mittelpunkt zurückbringen, das Verhalten der Menschen in der Wirtschaft neu bewerten und statt Sozialismus oder Kapitalismus die menschliche, humane Wirtschaft suchen. HW: Wie sehen sie das Entwick- lungspotenzial der Wirtschafts- wissenschaften in Bezug auf Lösungsvorschläge? Hamer: Es ist eigenartig, dass die Wirtschaftswissenschaften so we- nig grundlegende neue Lösungswe- ge angeboten haben. Dies wird aber kommen, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die alten Wege ausgetreten bzw. Irrwege sind. HW: Unser heutiges Geldsystem be- ruht darauf, dass die Schulden expo- nentiell zunehmen. Schon ein Kind kann anhand der Zinseszinsrech- nung zeigen, dass solch ein Schul- den-Zins-System zum Scheitern ver- urteilt ist. Die gesamten Schulden in Deutschland nehmen heute etwa dreimal schneller zu als das Brutto- sozialprodukt. Sehen Sie darin auch die Hauptursache der fatalen Entwicklung hin zur Krise? Hamer: Die meisten großen Rezes- sionen und vor allem auch beide Weltwirtschaftskrisen sind durch undisziplinierte Geldvermehrung entstanden. Der monetäre Sektor hat sich in den letzten 30 Jahren vervierzigfacht der Gütersek- tor nur vervierfacht. Wir haben also eine ungeheure Finanzblase durch Geldmengenvermehrung, die nicht mehr gedeckt ist, die erst wieder verschwinden muss, bevor der Kreislauf wieder normal wird. INTERVIEW Diese Geldblase hat den Staa- ten eine entsprechend zuneh- mende Verschuldung ermöglicht, deren Zinslast durch Geldmengenver- mehrung- Inflation -fortsetzbarschien. Dieses System muss zusammen- brechen, je eher desto besser. HW: Wie sehen Sie die Einführung des Euros? Ist der Euro ein Heilsbringer oder das Ende von Europa? Hamer: Sinn des Euros war, das Inflationsspiel der amerikanischen Ostküste und der unsoliden euro- päischen Länder nicht von einer stabilen und unabhängigen Bun- desbank mehr stören zu lassen. Deshalb wurde die Bundesbank in die Eurobank eingegliedert, also kastriert. Der Euro hat den Fehler, vor Unsoliditäten der Mitgliedslän- der nicht gesichert zu sein. Er ist zurzeit nur so stark, weil der Dollar so schwach ist, weil die Menschen den Dollarals faule Währung zuneh- mend erkennen und wenig andere Wahl haben, als in den etwas fes- teren Euro zu gehen. Der Euro wird aber ebenso wenig überleben wie Europa. Europa ist für die meisten Länder nur deshalb attraktiv, weil sie Tribute aus Deutschland bekom- men. Kann Deutschland nicht mehr zahlen, ist für viele Mitgliedsländer auch der Sinn Europas vorbei. HW: Was halten sie von der dras- tischen EU-Erweiterung, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, dabei vor allem von der geplanten Euro- Einführung in Ländern wie Polen, der Tschechischen Republik oder gar Bulgarien, die bezüglich ihrer Produktivität meilenweit hinter uns zurückliegen? Hamer: Die EU-Osterweiterung nützt unstreitig den internatio- nalen Banken, Versicherungen und Exportkonzernen sowie den neuen Beitrittsländern. Hauptleid- tragender ist der deutsche Mittel- Wir haben schon die Aufnahme der DDR nicht geschafft und werden uns an der Aufnahme zusätz- licher armer Ostländer verschlucken. Die Oster- weiterung wird die Krise in Europa verschärfen. stand, der im Höchstlohnland Eu- ropas gegenüber der Billigkonkur- renz nicht mehr wettbewerbsfähig bleibt. Zudem ist es verantwortungslos, ohne ausreichende Wettbewerbsvorbe- reitung der deut- schen Wirtschaft (Lohnkosten, För- dergebiete für Ost- deutschland) zu Beginn der größten Weltwirtschaftskri- se auch arme Länder aufnehmen und finanzieren zu wollen. Wir ha- ben schon die Auf- nahme der DDR nicht geschafft und wer- den uns an der Auf- nahme zusätzlicher armer Ostländer ver- schlucken. Die Ost- erweiterung wird die Europa verschärfen. In wenigen Jahren wird aus der Krise aber auch wieder ein neuer Auf- schwung hervorgehen. Krise in HW: Wie wird unser Land nach der Krise aussehen? Was wird man über die heutigen Experten, Politiker und Medien später einmal sagen? Hamer: In der ersten Weltwirt- schaftskrise waren die USA der Gläubiger der Welt. Jetzt sind sie der größte Schuldner der Welt. Die Krise wird also die USA mehr treffen als Europa. Dennoch werden wir auch in Europa nach der Krise die Scheinblüte der Finanzblase korrigiert sehen und so arm daste- hen, wie wir wirklich sind. Dann ist es aus mit Höchstlöhnen und ge- ringsten Arbeitszeiten. Dann wer- den wir wieder gezwungen sein, für so wenig Geld wie andere Länder so viel zu erarbei- ten wie diese, und unser Staat wird die öffentliche Üppigkeit und die Umverteilungs- orgien einstellen müssen. In wenigen Jahren wird aus der Krise aber auch wieder ein neu- er Aufschwung hervorgehen. Die Tüchtigen unserer Gesellschaft wer- den dann wieder einen verdienten Lebensstandard erreichen können. Lustlose Kunden Veränderung des Umsatzes im Einzelhandel jeweils gegenüber dem Vorjahr % 1998 1999 j nominal j real* 2001 2002 2003 +1,1 +1,0 "Preisanstieg abgerechnet l -0,9 -1,0 -1,6 dpa- Grafik 9036 Quelle: Stat. Bundesamt -2,1 „Die fortwährenden Verluste oder nur mageren Gewinne im Einzelhandel seit vielen Jahren sind ein Indiz dafür, dass unsere Wirt- schaft immer tiefer in eine deflationäre Falle gerät. Inzwi- schen fehlt überall das Kapital um zu investieren. Dies schlägt sich auto- matisch in der Kauf- kraft nieder und drückt in der Folge die Umsätze beim Einzelhandel und den Unternehmen - einTeufelskreislauf, der nur in einer Kri- se enden kann." l HUMANWIRTSCHAFT 1 2 HUMANWIRTSCHAFT l MÄRZ/APRIL 2004 . ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung über die tatsächlich begonnene zweite große Weltwirt- schaftskrise klar ist, damit diejeni- gen, die noch etwas zu verlieren ha- ben, rechtzeitig handeln,. sich die Bevölkerung über die tatsächlich begonnene zweite große Weltwirt- schaftskrise klar ist. HW: Wie stellen Sie sich die kom- mende Wirtschaftskrise auf dem Höhepunkt vor? Hamer: Die begonnene. Möglichkeiten zur Pro- blemlösung bieten denn die heutigen Wirtschaftswissen- schaften an? Hamer: Die Wirt- schaftswissen- schaftler sind in den letzten 20 Jah- ren den Irrweg der Mathematik gelau- fen. Sie

Ngày đăng: 05/06/2014, 12:43

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